Budenkultur

Anne Bude krisse allet

Budenkultur im Ruhrgebiet

Ein Leben ohne Bude ist möglich – aber sinnlos!

Mythos Bude – ein Stück Ruhrgebietskultur

Früher war sie das “Wasserhäuschen” für Berg- und Stahlarbeiter, heute ist sie der Rundum-Versorger vor der Haustüre. Der Werdegang der Bude im Ruhrgebiet ist auch ein Spiegelbild der Entwicklungen und Veränderungen in einem einzigartigen Ballungsgebiet.

Um die Budenkultur zu verstehen, muss man wissen, dass das Ruhrgebiet alles andere ist als eine große Stadt.

Für die Menschen die im Ruhrgebiet aufgewachsen sind, ist die Bude etwas Vertrautes, das einen seit der Kindheit begleitet. Die Bude ist in der ausufernden Urbanität des Ruhrgebiets, wo die Städte ineinander fließen, ein wichtiger Bestandteil der Stadtteil-Identität.

Denn Essen ist nicht gleich Bochum und Bochum nicht gleich Dortmund – und wehe man behauptet, Wattenscheid sei Bochum. Vielmehr geht das Denken oftmals nicht einmal bis an die Stadtgrenzen, anstatt darüber hinaus. Auch die Stadtteile habe ihre Bedeutung, spielen eine wichtige Rolle in der urbanen Identität, haben ihre ganz eigene Geschichte und weisen trotz gemeinsamer Grenzen viele Unterschiede auf.  Desahalb hat Herne mit Wanne so viel zu tun, wei Essen-Werden mit Essen-Altenessen – nämlich nix.

Genau diese Vielfältigkeit spiegelt die Budenkultur wieder. Deshalb ist auch so interessant auf den Wegen der BUDENTOUR immer wieder eine neue Bude anzufahren und dabei die Unterschiede kennenzulernen.

Im Ruhrgebiet waren um das Jahr 1900 über 600 Trinkhallen in Betrieb. Das damalige Geschäftsfeld teilten sich neben den Zechen große Industriebetriebe wie Krupp und einige Großuntenehmen auf. In dieser Phase entdeckten auch die Städte die Trinkhallen als interessante und lukrative Einnahmequellen und verpachteten in der Folge stadteigene Buden.

Zwischen dem Kiosk von früher und der Bude heute liegen Welten

Aus diesen Anfängen heraus hat sich über die Jahrzehnte eine bunte Vielfalt von unterschiedlichsten Buden entwickelt.  Angefangen bei den unterschiedlichen architektonischen Lösungen über das Warenangebot bis hin zu der Besitzerstruktur, keine Bude ist wie die andere.

Es gibt Einzellagen wie das “Blaue Büdchen” in Duisburg, dessen Frontseite von 1910 noch weitestgehend erhalten ist und besonders an die Wasserbüdchen-Zeit erinnert, über Walmdachbuden an Wendehämmern der Straßenbahnen wie den “Bredki” in Essen, über den “Kiosk am Ebertbad” einem umgebauten Toilettenhaus in Oberhausen, der nun schon seit 50 Jahren betrieben wird bis hin zu einer umgebauten Tankstellen wie dem “Roadstop” in Gelsenkirchen.

Der weitaus größte Teil der heute betriebenen Buden ist jedoch (teil)integeriert in Wohn- und Geschäftshäusern. Der Ursprung dieser besonderen Verkaufslage liegt in der Mischnutzung von Wohnhäusern und Kleingewerbe. Meistens waren es die Besitzer der Wohnhäuser, die im Nebenerwerb eine Trinkhalle betrieben. Waren die Männer auf der Zeche oder im Stahlwerk “auf Schicht”, standen die Ehefrauen, die Großeltern oder auch die Kinder hinter dem typischen Schiebefenster und führten den Verkauf quasi aus dem Wohnzimmer heraus. Nicht selten konnte man vom Schiebefenster direkt in die gute Stube, manchmal sogar direkt in die Küche schauen. Nach Feierabend und am Wochenende führte dann der Mann dann den Kiosk.

Ein Familienbetrieb fast wie damals ist die “Trinkhalle Dieter Tölle” in Gelsenkirchen. Seit über 22 Jahren betreibt das Ehepaar Tölle den Kiosk, der mit der Wohnung der Tölle´s verbunden ist. Die Bude und seine Betreiber sind ein fester Bestandteil des Stadtteillebens in Gelsenkirchen-Ückendorf – Übrigens Ückendorf ist umringt von den Stadtteilen (Essen)Kray, (Bochum)Hamme, (Herne) Wanne, (Bochum)Wattenscheid, (Bochum)Hördel – , als Nahversorger mit Lebensmitteln, Schreibwaren, hausgemachten belegten Brötchen und Frikadellen und mit dem Betrieb einer Post-Service-Station.

Der Kiosk Tölle hat eine besondere Verbindung zwischen der  “alten Budenzeit” und den Anforderungen der heutigen Zeit geschafft, in denen die Supermärkte bis 22.00 Uhr geöffnet haben. Vor allen Dingen die Paketdienste wie Hermes und die Service-Stationen der Deutschen Post, haben vielen Buden-Betreibern ein neues und vor allen Dingen passendes Geschäftsfeld eröffnet.  In Zeiten, wo das Postfilialnetz fortlaufend ausgedünnt wird, ist die Bude eine Anlaufstation für lokale “Verwaltungs-Bedürfnisse ” geworden, zu einem Ort an dem sich der Stadtteil wieder trifft.

Die Bude im Ruhrgebiet ist ein Stück Heimat, ist Identität, Kultur, Nachbarschaft im anonymen Stadtleben und ein besonderer, ökonomischer Mikrokosmos. An kaum einem anderen Ort findet man den berühmten rau-herzlichen Charme des Ruhrgebiets so verdichtet wie an der Bude. Hier kann man Nachbarn, Bekannte und Freunde treffen, Informationen austauschen und sich mit fremden Menschen zwischen Kühlschrank und Kasse über aktuelle Ereignisse unterhalten. Deshalb fühlt man sich an “seiner” Bude so wohl, weil man dort ein und aus geht und immer wieder auf  bekannte Gesichter trifft. Sei es für den Small Talk, den Zeitvertreib oder beim  schnellen Abend- und Wochenendeinkauf im kleinen Laden: Der Mensch im Ruhrgebiet braucht seine Bude!

Die Buden

verfahrene kM
Schüsselumdrehungen
verkaufte Manta-Teller

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